ROTE FLORA

„Auf in die Flora!“, lockte 1888 das Varietétheater am Schulterblatt mit leichter Unterhaltung. Hundert Jahre später wurde die Flora rot. Anwohner und autonome Gruppen wehrten sich so vehement und so lange gegen die Eröffnung einer ›Musical-Spielstätte, dass die Investoren endlich aufgaben. Vor dem besetzten Gebäude weht seitdem ein Hauch Berlin-Kreuzberg durch die Schanze. Bürgerinitiativen, Flohmärkte, Soli-Partys und Konzerte werden im selbstverwalteten Stadtteilzentrum organisiert. Und als Zentrum linksautonomer Politik schafft es die Flora regelmäßig – zum 1. Mai oder vor dem G8-Gipfel – auch in die überregionalen Schlagzeilen. www.rote-flora.de

 

DER SPIEGEL

Wer in Hamburg an der Elbe entlangspaziert, kriegt mindestens zweimal Gänsehaut: beim Anblick des glitzernden Hafens und ein Stück weiter beim „Spiegel“-Haus in der Brandstwiete, angesichts des roten Schriftzugs auf dem Dach. Da wird es gemacht, „das Sturmgeschütz der Demokratie“, wie Herausgeber Rudolf Augstein es nannte. „Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin“, wie sich das Magazin heute nennt, hat jeden Montag etwa sechs Millionen Leser. Monatlich rund vier Millionen nutzen den rasant wachsenden Online-Bruder des Magazins. Ab 2010 wird all dies von der HafenCity aus gelenkt. Hier entsteht die neue „Spiegel“-Zentrale – in Form eines 50 Meter hohen Fernsehbildschirms.
www.spiegel.de

 

SANTA FU

In den Siebzigerjahren machte die Haftanstalt im Stadtteil Fuhlsbüttel als Schauplatz spektakulärer Ausbrüche und Gefangenenrevolten auf sich aufmerksam. Inzwischen steht ihr Spitzname für Artikel mit Option auf Kultstatus. In 19 internen Handwerksbetrieben fertigen Gefangene „heiße Ware aus dem Knast“. Es gibt Kochbücher („Huhn in Handschellen“), „Bleib sauber“-Handtücher oder gestreifte Fußballtrikots. Letztere tragen die Insassen auch selbst. Eintracht Fuhlsbüttel ist die einzige Gefängnismannschaft Deutschlands, die in der Kreisliga spielen darf. Nur auf Auswärtsspiele muss sie verzichten. 
www.santa-fu.de

 

REEPERBAHN

930 Meter misst die berühmteste Straße der Stadt. Der Senat tat in den letzten Jahren viel dafür, die rote Meile schöner und grüner zu machen. Bäume wurdengepflanzt und auf dem Spielbudenplatz entstanden zwei Bühnen. Die Schönheitskur scheint zu wirken: 12 000 Gäste kamen zum zweiten Reeperbahnfestival, um möglichst viele der 130 Bands zu sehen, die drei Tage hier spielten. Auch an einem normalen Wochenende ist das Angebot so gewaltig, dass selbst Hamburger immer Neues entdecken können: Rund 60 Liveclubs und Tanzbars gibt es in ganz St. Pauli und entlang der Reeperbahn, deren Leuchtreklamencharme den Times Square „aussehen lässt wie Disneyland“, wie die „New York Times“ kürzlich schrieb. 20 Millionen Menschen besuchen im Jahr die Reeperbahn, die früher übrigens keine Ausgehmeile war, sondern eine Straße, in der Reepschläger Taue herstellten. Heute ist die Straße ein lebendiger Mythos, der jede Nacht angeschaltet wird wie die vielen bunten Lichter. Udo Lindenberg (Helden) besang sie als „geile Meile“. Die Hamburger bedankten sich und ließen einen Stern mit seinem Namen ins Pflaster der Straße einsetzen, die heller strahlt als alle anderen.

 

STRANDPERLE

Wenn die Sonne scheint, kommt ganz Hamburg hierher, trinkt ein Weizen und schaut den dicken Pötten nach. Die „Strandperle“ war die erste Bar am Elbstrand, lange bevor es Beachclubs wie „Lago Bay“ oder „Hamburg City Beach-Club“ gab. Der Biergarten wurde um die vorletzte Jahrhundertwende eröffnet und in den letzten 35 Jahren vom Ehepaar Seyfert geleitet, das Wert auf Einfachheit legte. 2007 übernahmen neue Pächter die „Strandperle“. Sie wollen deren Charakter bewahren und haben nur ein paar Speisen neu eingeführt. Und einen weiteren Tresen aufgestellt. Doch kürzer sind die langen Schlangen nicht. » Am Schulberg 2, Ecke Övelgönne, April bis September täglich ab 12 Uhr

 

THALIA

Thalia war eine der neun Musen in der griechischen Mythologie, ist ein Modell der Automarke Renault, eine mexikanische Popsängerin, ein Dampfschiff auf dem Wörthersee und ein, nein, DAS Theater in Hamburg, nein, in Deutschland. Denn: Keine Bühne produziert so konstruktiv Unruhe wie das Thalia. Das Haus ist die künstlerisch und finanziell erfolgreichste Bühne des Landes, hat sein traditionelles Bürgerschaftspublikum entstaubt, erzogen und neugierig gemacht. Gerade wurde das Thalia wieder einmal zum „Theater des Jahres“ gewählt. In der letzten Spielzeit kamen 295 992 Zuschauer in insgesamt 785 Vorstellungen – das ist Rekord! Im nächsten Jahr könnten es womöglich noch mehr werden: Nach der Sanierung des Zuschauerraumes im Sommer hat das Thalia Theater genau acht Plätze mehr als vorher, nämlich 1000.
www.thalia-theater.de

 

U-BOOT MUSEUM U-434

U-434 im Querschnitt.

ist das wahrscheinlich eigentümlichste Mitglied der Hamburger Museumslandschaft (Museen und Ausstellungen). Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 war es für die russische Marine noch im Spionage-Einsatz in den Gewässern vor Kuba und den Vereinigten Staaten unterwegs. Heute dient eines der größten konventionellen U-Boote der Welt – nach Übergabe durch den russischen Geheimdienst und Instandsetzung bei Blohm + Voss – im Baakenhafen als Touristenattraktion. Zu voll kann es auf dem „Buki“ getauften Unterseeboot aber nicht werden: Höchstens 80 Besucher gleichzeitig dürfen sich auf 90 mal 8 Metern umsehen. » Versmannstraße 23c,
www.u-434.de

 

ÜBERSEECLUB

Hanseatischer geht es nicht. Der vornehme Vortrags- und Gesellschaftsclub von 1922 an der Binnenalster katapultiert seine rund 2000 Mitglieder und Besucher in eine andere Zeit. Stilvoll und gediegen geht es zu im denkmalgeschützten weißen Haus mit prachtvollem Festsaal, Salons im Empirestil und À-la-carte- Restaurant. Thematisch dreht sich alles – ganz hamburgisch – um die Verbindung von Kultur und Kommerz. Gastredner sind keine Geringeren als Bundespräsidenten, Botschafter und Bürgermeister. Entgegen der angelsächsischen Tradition sind hier aber auch Frauen willkommen.