Hermann Josef Rieger (* 2. Oktober 1941 in Mittenwald) war ein DSV-Skitrainer und bekannter Physiotherapeut beim Hamburger SV.
Der gelernte Einzelhandelskaufmann arbeitete zunächst nebenher als Skilehrer, von 1971-76 war er Skitrainer beim Deutschen Ski-Verband. Während dieser Zeit machte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten bei Hans-Jürgen Montag, dem späteren Physiotherapeuten der deutschen Fußballnationalmannschaft. In dieser Funktion arbeitete er 1977/78 beim FC Bayern München. 1978 vermittelte Manfred Kaltz seinen Wechsel zum HSV, wo er bis zum Erreichen des Rentenalters 2005 blieb. Der HSV veranstaltete zu seinen Ehren ein Abschiedsspiel, eine außerordentlich seltene Ehrung für einen Nicht-Spieler.
Hermann Rieger genießt unter HSV-Anhängern aufgrund seiner ehrlichen und fröhlichen Art und seiner langen Tätigkeit für den HSV noch heute einen Kultstatus, wie ihn nur wenige Spieler erreichen (Schlachtruf aus schlechten Zeiten: Außer Hermann könnt ihr alle gehen). Ein Fanclub ist nach ihm benannt (Hermanns treue Riege) sowie das HSV-Maskottchen Hermann.
November 2006 hatte sich Hermann Rieger bereit erklärt, die Aktion "HSV-Fans helfen kranken Kindern" als prominenter Pate zu unterstützen. Der Verein HSV-Fans helfen Kindern e. V. sammelt hierbei Geld- und Sachspenden für die Kinderstation des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg.
Manni Kaltz war gleich begeistert
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Alles hätte
es auch ganz anders kommen können. Nachdem er seinen Eltern zuliebe Einzelhandelskaufmann gelernt hat, qualifiziert Rieger sich zunächst zum Skilehrer weiter und legt ein steile Karriere hin. Als
Trainer der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft lernt er schließlich noch Massieren und wird zufällig von Bayern-Trainer Dettmar Cramer entdeckt.
Rieger kehrt den Brettern den Rücken und steigt bei den Fußball-Profis ein. Aber die Bayern haben nicht lange Freude an ihrem Neuzugang: Als Rieger bei einem Lehrgang der Nationalmannschaft aushilft,
sind Hamburger Spieler wie Manfred Kaltz von seinen heilenden Händen derart begeistert, dass sie ihn in die Hansestadt lotsen.
Sechs Weißbier und ein paar Beschleuniger
"Der HSV hat mir damals mit Abstand das schlechteste Angebot gemacht, das ich je bekommen habe", erinnert sich Rieger. Gekommen ist er trotzdem - einerseits wollte er Hamburg kennen lernen, andererseits gab es da ein denkwürdiges Treffen mit Vereinsarzt Dr. Uli Mann: "Wir haben da drei bis sechs Weißbier getrunken und ein paar Beschleuniger dazu", sagt Rieger, "und wir hatten so eine Harmonie - da wusste ich: Das ist es."
Manager Günter Netzer sollte später sagen: "Hermann Rieger ist der beste Einkauf, den der HSV je getätigt hat." Wobei "Einkauf" nicht ganz präzise ausgedrückt ist: Damals floss nämlich keine Ablösesumme an die Bayern. "Die waren schon ein bisschen sauer", sagt Rieger.
Das Kündigen vergessen
Eigentlich wollte er auch nur ein Jahr bleiben. Aber dann wurde er mit dem HSV gleich im ersten Jahr Meister. "Da hab' ich's Kündigen vergessen." 1982 der nächste Titel, ein Jahr später holten sie sogar den Euroapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin. "Als ich die gesehen habe - Platini, Boniek, Dino Zoff - da hab ich schon ein bisschen Angst gehabt, dass wir es nicht schaffen." Es wurde sein längstes Spiel: "Ich hab' wohl 100.000 mal zur Uhr geschaut, aber sie ist einfach nicht weitergegangen."
Auf dem HSV-Gelände gibt es schon seit geraumer Zeit einen "Hermann-Rieger-Weg". Und als einziger seiner Zunft hat er einen eigenen Fanclub, "Hermann's treue Riege". Was daraus werden soll, wenn er seine persönliche Bundesliga-Ehrenrunde gedreht hat? "Doa müss'mer uns mal zsamm'setzen", sagt er, und er meint es ernst : Viermal im Jahr trifft er sich mit den "Burschen".
Überall "Grüß' Gott" sagen
Zurück in
Mittenwald will Rieger Tennis spielen, Skifahren, von Hütte zu Hütte wandern und überall 'Grüß' Gott' sagen - "aber wenn ich dann am Samstagnachmittag einen Berg hochsteige, werde ich schon an meinen
HSV denken." Eine treue Seele eben.


